am 08.06.2016

Kleines Kino, großes Ziel

Bewerbungs-Delegation mit DSV und Team Oberstdorf

Bei der Präsentation vor dem FIS-Vorstand nimmt sich Oberstdorf nach vier vergeblichen Anläufen auch selbst auf die Schippe. Ein neuer Regieplan soll den Erfolg bringen

Ja, da rieb sich so mancher treue Kongressteilnehmer in den letzten Tagen im Hotel in Cancun verwundert die Augen. Am Präsentationsstand von Oberstdorf, das sich bereits zum fünften Mal für eine Nordische Ski-WM bewirbt, fehlte doch etwas. Keine Lederhosen, keine Dirndl. Auf den Tischen davor keine Weißwürste und kein bayerisches Weißbier.

Stattdessen eine komplett neue Kulisse. Vor einem Mini-Kino servieren Frauen in Pettycoatkleidern Nachos, Popcorn und Corona-Bier. Und die Männer mimen mit weißen Hemden und schwarzen Hosenträgern die coolen Filmhelden. „Das kommt sehr locker rüber“, erzählt der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, der als großer Unterstützer der Bewerbung gilt und in Mexiko erstmals bei einem Kongress des Internationalen Skiverbandes dabei ist. Er ist überzeugt, dass der „äußerst pfiffige Auftritt“ und die „gute Lobby-Arbeit im Vorfeld“ diesmal dafür sorgen werden, dass die Delegation in Cancun und die Oberstdorfer zuhause jubeln dürfen.

Auch bei der zehnminütigen Präsentation vor dem FIS-Vorstand, dem sogenannten Council, wollten die Oberstdorfer noch einmal alle Register
ziehen. Sich nach vier vergeblichen Anläufen ein bisschen selbst auf die Schippe nehmen und Lockerheit demonstrieren, das war der Regieplan
der Oberstdorfer. „Ja, ja, es gibt immer etwas zu verbessern“, leitete der als Stadionsprecher bekannte und in Cancun als „Regisseur“ auftretende Jens Zimmermann die Präsentation ein. Eindrucksvolle Filme zeigten, wo Oberstdorfer bei Großveranstaltungen seine Stärken hat: in der jahrelangen Erfahrung, in den vielen tausend freiwilligen Helfern, in der Hotellerie und im Wissen, wie man mit zu viel oder zu wenig Schnee den Athleten trotzdem 1a-Bedingungen bieten kann. „Die Daten und Fakten zu Oberstdorf sind der FIS bestens bekannt“, sagt Skiclub-Vorsitzender Dr. Peter Kruijer, „jetzt gilt es, die Council-Mitglieder mit Charme und Emotionen für uns zu gewinnen.“

Mit der Präsentation vor den FIS-Oberen ist die Arbeit der Oberstdorfer aber noch nicht beendet. Der Messestand ist noch einmal zehn Stunden geöffnet. In den technischen Komitees müssen Kruijer und Co. ebenfalls noch detailliert das Bewerbungskonzept für die WM 2021 vorstellen und Rede und Antwort stehen. Dann heißt es nur noch Warten. Ein Großteil der knapp tausend Kongressteilnehmer erkundet nach vier Tagen in – auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlten – Konferenzzimmern bei einem Ausflug die touristischen Sehenswürdigkeiten der Halbinsel Yucatan, bevor sich um etwa 18.30 Uhr Ortszeit (Freitag, 1.30 Uhr deutscher Zeit) dann wirklich der rote Vorhang öffnet.