am 23.02.2017

Rockt Rydzek auch die Finnen?

Johannes Rydzek wird Weltmeister im Einzel und Team

Der zweifache Titelverteidiger aus Oberstdorf und Weltcup-Führende ist der große Favorit. Dabei spielt er die Rolle des Jägers viel lieber als die des Gejagten. Auch die weiteren Starter des Skiclub Oberstdorf hoffen auf einen Startplatz oder haben sogar berechtigte Medaillenhoffnungen.

Johannes Rydzek, der mit vier Medaillen (zweimal Gold sowie jeweils einmal Silber und Bronze) der dritterfolgreichste Athlet der Nordischen Ski-WM vor zwei Jahren im schwedischen Falun war (hinter den norwegischen Langläufern Petter Northug und Therese Johaug), will nun im finnischen Lahti nachlegen. Der Kombinierer vom Skiclub Oberstdorf dominiert zusammen mit Eric Frenzel den Gesamt-Weltcup und rechnet auch für den ersten Wettkampf mit einem Duell der Extraklasse. Ob er sich auf der Ziellinie wieder mit seinem Dauerrivalen aus Oberwiesenthal messen muss, ist dem 25-jährigen Studenten „eigentlich egal“. „Da muss ich mich voll auf mich konzentrieren und schaue nicht nach links und nicht nach rechts“, sagt Rydzek. Die Rivalität mit Frenzel bezeichnet er als „unproblematisch“. Nach dem Rennen seien sie wieder ganz normale Kumpels. „Ich glaube, diese Professionalität macht uns noch stärker.“ Die Rolle des Gejagten nimmt der Oberstdorfer an, wenngleich sein Kampfgeist ihn eher zum Jäger macht. Aber selbst da kann sich Rydzek noch eine Scheibe von Frenzel abschneiden. „Wie er in Seefeld beispielsweise an mir vorbeigezogen ist, war Wahnsinn. Da kann ich schon noch was lernen“, zieht Rydzek den Hut vor Frenzel. In Lahti, ist er überzeugt, könne es aber gut sein, dass nicht ein Teamkollege, sondern ein Norweger oder Österreicher zum direkten Konkurrenten wird. „Wir werden nicht den Fehler machen, irgend jemanden zu unterschätzen“, wiederholte Rydzek gestern nach den ersten Trainingssprüngen in Lahti, bei denen er von der ungewohnten Normalschanze mit 97,5 bzw. 94,5 Metern die Plätze zwei und drei belegte.

Bundestrainer Hermann Weinbuch hat bei Rydzek eine neue Gelassenheit entdeckt. Von Rückschlägen ließe sich sein derzeitiges Aushängeschild nicht mehr so schnell runterziehen. „Da ist was dran“, gesteht Rydzek. „Ich versuche, schlechtere Leistungen viel schneller abzuhaken und objektiv zu analysieren. Wenn ich die Emotionen danach außen vor lasse, geht es mir gleich noch besser.“

Auch die weiteren Starter des Skiclub Oberstdorf hoffen auf einen Startplatz oder haben sogar berechtigte Medaillenhoffnungen:

Nicole Fessel (33/SC Oberstdorf):
Die nach Steffi Böhler (35) zweitälteste Langläuferin im DSV-Team absolvierte vor der WM mit Heimtrainer Stefan Dotzler ein Sondertraining auf der Seiseralm/Südtirol. Der sportliche Leiter des DSV Andreas Schlütter hat hohe Erwartungen an die Oberstdorferin, die bereits 16 WM-Rennen bestritten hat, das erste 2005 in Oberstdorf: „Nicole hat sich bei der Generalprobe in Otepää noch sehr schwergetan, ich bin aber überzeugt, dass sie hier in Lahti zu ihrer alten Stärke zurückfindet.“

Sofie Krehl (21/ SC Oberstdorf):
Hat bei der Tour de Ski im heimischen Oberstdorf mit Rang 16 auf sich aufmerksam gemacht und auch bei den U23-WM als Fünfte im Sprint eine starke Leistung gezeigt. Im Hinblick auf Olympia 2018 und die Heim-WM 2021 in Oberstdorf sollen, so Schlütter, junge Leute herangeführt und mit dem besonderen Flair von Großereignissen vertraut gemacht werden.

Katharina Althaus (20/SC Oberstdorf) in Topform:
Mit ihrem ersten Sieg bei ihrem 84. Weltcup-Einsatz im slowenischen Ljubno sorgte die 20-Jährige vom Skiclub Oberstdorf für die perfekte Generalprobe vor der WM in Lahti. „Ich bin derzeit in der Lage, sehr konstante Sprünge zu zeigen“, sagte Althaus vor dem Flug nach Finnland. Gestern beim ersten Training bestätigte sie mit Rang vier ihre derzeitige Topform. Mit dem Mixed-Team hat sie den WM-Titel von Falun zu verteidigen.

Vinzenz Geiger (19/SC Oberstdorf) schaut erst einmal zu:
Fest steht mittlerweile, dass Vinzenz Geiger (19) vom SC Oberstdorf beim ersten Wettbewerb der Kombinierer noch nicht am Start sein wird. Bundestrainer Hermann Weinbuch wies Manuel Faißt (SV Baiersbronn) den fünften Startplatz zu. „Vinzenz gehört die Zukunft. Er soll hier WM-Luft schnuppern und lernen“, begründete Weinbuch den Schritt. Geiger: „Ich bin happy, dass ich dabeisein darf.“

Karl Geiger (24/SC Oberstdorf) in Lauerstellung:
Mit Andreas Wellinger (SC Ruhpolding), Richard Freitag und Markus Eisenbichler sind drei Skispringer für den ersten Wettbewerb am kommenden Samstag gesetzt. Um den vierten Startplatz müssen sich vor Ort der Oberstdorfer Karl Geiger und Stephan Leye vom SC Willingen duellieren. Obwohl beide die WM-Norm des Deutschen Skiverbandes (zwei Top-6-Plätze nicht erfüllten, sagt Schuster: „Karl hat die ganze Saison gute Leistungen gezeigt und sich die Nominierung verdient.“

Gianina Ernst (18/SC Oberstdorf) auf Schnupperkurs:
Die gebürtige Schweizerin, die seit 2013 für den SC Oberstdorf startet, sprang nach den Plätzen zehn und elf beim Weltcup in Pyeongchang noch auf den WM-Zug nach Lahti auf. Für die 18-jährige ist es die erste WM bei den Erwachsenen. Bundestrainer Andreas Bauer hält große Stücke auf sie und will sie Stück für Stück an die Weltspitze heranführen. Dazu müsse
sie jetzt WM-Luft schnuppern. Gestern überzeugte Ernst im Training mit dem zehntweitesten Sprung.